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Der Baierwein
Über Jahrhunderte war für den in ganz Altbayern erzeugten Wein der Begriff „Baierwein“ gebräuchlich.
Der Baierwein wuchs an der Donau sowie an ihren Nebenflüssen Altmühl, Große/Kleine Laber, Isar, Rott und Inn.


Weinland Bayern
Der bayerische Geschichtsschreiber Aventinus vermerkt um 1530 : „Der gemeine Mann auf dem Gäu sitzt Tag und Nacht beim Wein.“ Wein war damals in Bayern das Volksgetränk. Die niederbayerischen Herzöge Otto und Ludwig konnten es sich im Jahre 1292 leisten, das Bierbrauen für die Dauer eines Jahres zu verbieten.Auch die Wittelsbacher Herzöge schätzten den Baierwein. Aus ihren Besitzungen in Kelheim, Donaustauf und Bach a. d. Donau ließen sie sich alljährlich 40.000 Liter Wein an ihre Münchner Residenz liefern.


Die Klöster
Aber auch die Klöster hatten umfangreichen Weinbergsbesitz. In der Umgebung von Regensburg sind hier vor allem die Klöster St. Emmeram, Prüfening, Weltenburg und Niederaltaich zu nennen. Um 1330 erntete St. Emmeram jährlich ca. 70.000 Liter Wein. Das Kloster Prüfening bezog um 1570 60 % seiner Einnahmen aus dem Weinverkauf. St. Emmeram ließ auch „köstliche Rebsorten“ besorgen, hatte „große Auslagen für die Herbeischaffung reichlichen Weinbergdüngers“ und ließ in Pentling „gute Erde in die Weinberge tragen“.


Der Niedergang
Doch die Weinherrlichkeit währte nicht ewig. Eine Klimaverschlechterung im 16. Jh. brachte allzu oft ungenügende Qualitäten. „Wo der Pflug kann gehen, soll kein Weinstock stehen“ war damals die Devise.Mit besserer Verkehrserschließung kamen die qualitativ höherwertigen Weine aus Österreich, Südtirol und Württemberg preisgünstiger ins Land. Außerdem wurden im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) viele Weingärten zerstört. Ab 1600 fand dazu das Bier als Volksgetränk stärkere Verbreitung. Als stetig fließende Steuerquelle wurde es von den Wittelsbacher Herzögen entsprechend gefördert. Für die Blütezeit des Baierweins wird eine Anbaufläche von ca. 2.000 Hektar geschätzt, um 1870 waren es noch 100 Hektar. Mit 1 Hektar war 1968 der Tiefststand erreicht.


Aber der Baierwein lebt
Seit 1970 geht es wieder aufwärts. Frühreife Sorten wie Müller-Thurgau finden Eingang und liefern ansprechende Weinqualitäten. Der Bacher und Kruckenberger Wein wird als Spezialität geschätzt.
Auch zahlreiche Hobbywinzer finden Erfüllung bei der Weinbergsarbeit und schätzen den selbsterzeugten Tropfen.
„Wohl, bairisch Wein ist stark und zäh, wie bairisch Volk!“ Hans Watzlik


Der Winzerschutzpatron St. Urban
Die Hoffnung ist dem Volksmund nach die größte Tugend des Winzers. Nach einem ungünstigen Frühling hofft er auf einen besseren Sommer, nach einem verregneten Sommer auf einen sonnigen Herbst und wenn auch dieser enttäuscht, hofft er auf das nächste Jahr.

Wenn der Erfolg eines Winzerjahres in so starkem Maße von der Witterung abhängt ist der Wunsch verständlich, bei der Bitte um Gottes Segen einen Fürsprecher zu haben.

Seit dem 9. Jahrhundert wird in Deutschland Papst Urban I. (Pontifikat 222 – 230) als Patron der Winzer verehrt. Sein Jahrtag, der Tag seines Martyriums, ist der 25. Mai. Er markiert nach hoffentlich glücklich überstandenen Eisheiligen den Beginn des Sommers. Schönes Wetter am Urbanitag versprach eine gute Weinernte. Mit Bittprozessionen und Feldumgängen wurde der Lostag begangen.


St. Urban an der Donau
Viele liebevolle Darstellungen des hl. Urban in den Dorfkirchen um Regensburg zeigen, dass der Winzerschutzpatron hier als beliebter Volksheiliger verehrt wurde. St. Urban-Darstellungen finden sich in Ingolstadt, Kelheim, Kneiting, Kager, Pfaffenstein, Tegernheim, Demling, Frengkofen, Wörth a. d. Donau und Hengersberg. Sie alle stellen den hl. Urban im Papstornat mit Tiara und Kreuzstab dar. Sein Attribut ist die Traube.

Der Urbanitag im Volksmund:

28_demling.jpgIst St. Urban voll Sonnenschein,
gibt es viel und guten Wein!

St. Urban hell und rein,
segnet die Fässer ein.
St. Urban nass,
bringt nichts ins Fass.

St. Urban schenk uns ein,
fröhlich Herz und guten Wein!